Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Glienicke

update,  jetzt auch die 4. Rede

Die ergreifenden Texte der Schülerinnen des NGG

von Natascha Delahaye

Wird es jemals die passenden Worte geben?

Ich fing an darüber nachzudenken, was wir sagen könnten, was nicht nachdem klingt, was es ist.

Nur ein Versuch zu begreifen, was man nicht begreifen kann, nur der Versuch für etwas Worte zu finden, was uns Worte nimmt.

Worte der Vernunft, Worte des Glaubens.

Ich glaube, dass man jene Worte, die die Wahrheit erzählen, unverfälscht und ungelogen, niemals finden wird, ebenso wenig wie die Antwort auf das “Warum”.  Dennoch versuchen wir es. Wieder und wieder. Weil wir der Menschen gedenken wollen, die einen Teil der Wahrheit kennen und weil dieser unvergessene Abschnitt der Geschichte, ebenso Teil von uns ist, wie unsere Zukunft.
Legt eure Hände an die Ohren, schließt die Augen und kein Laut.
Wo sind wir. Es ist hier so unglaublich kalt…Gehen wir nicht weiter?

Ich kann sehen wie die Sonne durch die Baumwipfel bricht. Dass sie nicht aufhört zu scheinen, ist mir ein Rötsel. Ihr seid so starr, fast unbewegt. Bitte, ich möchte hier nicht bleiben, hier mögen sie uns nicht. Sie denken wir sind anders, aber ihr habt mir nie gesagt warum, vielleicht wisst ihr es ja nicht. Eure Gesichter…sind so leer. Ganz kalt und nicht mehr bei mir. Bitte sagt doch etwas, bewegt euch. Könnt ihr mich nicht hören?
Legt eure Hände an die Ohren, schließt die Augen und kein Laut.
So viele Menschen, aber sie können nicht mehr weiter. Können sich nicht rühren, sind wie erstarrt Haben wir aufgehört zu laufen. Ich will nicht kämpfen. Es kann doch niemand gewinnen, waren das nicht eure Worte.

Ihr habt immer gesagt eure Lippen wären so blau, weil ihr so gerne Beeren esst, später habt ihr gesagt, ihr seid so blass, weil Grausamkeit uns Farbe nimmt und als ich fragte, warum ihr mir euer Essen gabt, habt ihr gesagt, dass ihr mich liebt. Aber jetzt sagt ihr nichts mehr. Ihr habt aufgehört mir Geschichten zu erzählen, weil ihr selber nicht mehr an sie glaubt. Ich habe euch nur ein einziges Mal gefragt warum und es war das einzige Mal, dass ihr keine Antwort wusstet.
Legt eure Hände an die Ohren, schließt die Augen und kein Laut.
Bitte geht ein Stück zur Seite, ich will sehen was es ist. Hört ihr das?  Hört ihr die Trommeln schlagen. Sie werden lauter, kommen näher. Sagt doch: was wollen sie von uns? Sind das nur Herzen, die in der Stille ängstlich schlagen. Ich kann mein eigenes hören, unerträglich laut, vermischt mit dem Geräusch der Trommeln. Zeigt mir sein Gesicht, ich will das Böse sehen oder hat es keines? Weint ihr? Warum weint ihr? Sie kommen näher. Ich spüre wie etwas immer näher an mich heranrückt. Kalt umklammernd, grausam still, schonungslos. Warum lauft ihr denn nicht weiter? Warum haltet ihr mich fest? Das ist falsch, das können keine Menschen sein, das hört ihr doch. Was seht ihr denn? Sagt mir, was ihr seht. Da ist doch nichts. Ihr sprecht auch nie darüber.
Legt die Hände an die Ohren, schließt die Augen und kein Laut.
Ihr haltet mich fest, aber ansehen könnt ihr mich nicht. Und dann beginnst du zu reden. Du sagst, dass du mich liebst und weinst. Aber da ist doch nichts, will ich brüllen. Du sagst wir werden es besser haben, du sagst…du kannst nichts mehr sagen, weil Tränen deine Worte ersticken. Es scheint als hättest du keine Kraft. Dann beginnt er zu sprechen. Er sagt es ist In Ordnung, er sagt ich brauche nie wieder laufen. Sagt das nicht. Ich flehe euch an, noch ist es nicht zu spät. Es war schon vor langer Zeit zu spät, sagt er, aber weicht meinem Blick aus. Nein, das glaube ich nicht. Das Böse kann niemals so laut schlagen, so vertraut wie eure Herzen, warum also seht ihr mich nicht an und sagt mir was geschieht. Weil ihr es nicht könnt. Weil die Trommeln nicht näher kommen, sie sind längst da. und ich habe es gewusst. Gewuust, dass ich das Schlagen eurer Herzen kenne. Es ist die Angst. Ihr habt Angst. Irgendwann ist sie unser Feind geworden. Habe ich Recht? Antwortet mir. Ihr seid machtlos gegen die Angst. Du hebst zitternd deine Hand, dein Gesicht ist voller Tränen. Seine Hand hält etwas fest, etwas, dass für ihn so schwer wiegt, dass er es kaum zu halten vermag. Du sagst: Leg deine Hände an die Ohren und ich höre nur noch das Rauschen meines Blutes, das Schlagen meines Herzens. Du sagst, schließt die Augen und tust es selbst, sanft mit deinen eiskalten Fingerspitzen. Warum gehen wir nicht weiter? frage ich und fange an zu weinen. Keinen Laut, hast du gesagt.  Du hast mich fest umarmt, du hast dich verändert, aber warst mir so vertraut. Der Augenblick, der mir die Angst brachte, die mir euch bereits genommen hatte, war jener in deiner Umklammerung .

Ich konnte nichts mehr sehen, war stumm  und alles was ich hörte, das war ich und dann der Schuss.

von Lena Elisa Dressler

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Als wir die Aufgabe erhielten, ein Stück zu gestalten, das am Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus vorgetragen wird, dachte ich zuerst an Buchenwald.

In der elften Klasse sind wir nach Weimar gefahren und haben unter anderem das Konzentrationslager Buchenwald besucht.

Es hätte keinen geeigneteren Tag gegeben, um uns diesen grauenhaften Ort zu zeigen.

Die Temperaturen waren unter dem Nullpunkt.

Nebel, überall, wo man hinblickte.

Eine unheimliche Atmosphäre durchdrang den gesamten Körper.

Ein Experte begleitete uns durch das Konzentrationslager und klärte uns auf.

Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich auch alles hören mochte. Grausame Vorgehensweisen der Nationalsozialisten wurden erklärt und in unser Gedächtnis eingebrannt.  Ein unbekanntes Gefühl, von Trauer, Wut, Entsetzen und Demut, lässt einen nicht mehr los, wenn man durch das Eingangstor läuft.

Nun sind wir da.

An dem Ort, wo tausende unschuldige Menschen gefoltert und brutal ermordet wurden, wo Versuche an lebenden Insassen durchgeführt wurden und wo Leute nicht unmenschlicher hätten sein können.

Der Anblick von den Öfen vergisst man wahrscheinlich sein ganzes Leben lang nicht.

Wie könnte man auch?

Nachdem wir diesen Ort des Schreckens verlassen haben, dachte ich noch lange darüber nach und anstatt mir Antworten einfielen, strömten immer mehr Fragen durch meinen Kopf. Wie konnten die Menschen damals leben?Wie kam es zu solch einer Schreckensherrschaft?Wie konnte die Mehrheit Deutschlands denn einfach zusehen, oder besser gesagt wegsehen?Wieso mussten Millionen Menschen erst sterben bis das Ende kam?Gibt es denn überhaupt ein Ende?Warum existieren immer noch Neonazis?Haben sie nicht aus der Vergangenheit gelernt?Trifft uns auch Schuld?Wozu sind Menschen denn in der Lage?Auf einige Fragen habe ich im Unterricht die Antworten gefunden, manche habe ich mir selbst beantwortet, doch einige werden wohl nie gelöst sein.Ich denke, Schuld, an dem was 1933-1945 geschah, trifft unsere Generation nicht,jedoch haben wir Schuld, wenn wir wieder wegschauen und es hinnehmen, dass es nach wie vor Nazis gibt.Man sollte Kinder vor solchen Einfluss fernhalten und alle aufklären, damit solch ein Schrecken wie damals sich nicht wiederholt.Es ist zwar schwer für uns die richtigen Worte zu finden, für etwas,das wir zum einen nicht erlebt haben undzum anderen von Unmenschlichkeit nicht übertroffen werden kann. Aber es darf uns nicht schwer fallen, die richtigen Worte zu finden, gegen die Leute, die den Frieden und die Demokratie, die freie Entwicklung und Meinungsäußerung beschränken wollen, die Ausländer nicht dulden, Religionen herabstufen und von Vorurteilen gefesselt sind.

 

von Katharina Lehmann

Der stille Schrei nach LebenskraftNackte Haut auf kalten SteinenKann kaum sich halten auf den magren Beinen.Nieder gekniet zum besten FreundIn Auschwitz sind sie eingezäuntSelbst der Himmel, düster von oben,hat sich zu einer eisner’n  Front zusammengezogen.Die Freunde, sie gehen doch kommen nie wieder,Offiziere Schweigend, sie brannten uns niederTag für Tag ein Leben in SchreckenGott, wann kommst du um diese furchtbare Welt zu wecken?Kaum noch Kraft, der Hunger er plagt michEs nimmt mir die Luft, im Magen ein MesserstichDie Welt wirkt nun in sich verschwommen,Meine Liebe, meine Liebe, nun werde ich heimkommen! Der Anblick beim letzten AtemzugSo herrlich hell, das Herz hochschlugUnd die Sonne, so strahlend sie schienOffiziere mussten nun niederknienDie Jahre der Angst hatten endlich ein EndeFreunde, Familie rannten weinend und lobten die WendeVon droben schau ich ihnen zuAllmählich komm ich nun zu Ruh’Wir, ja wir hatten es geschafftMeine Begleiter erfüllte die langersehnte Lebenskraft

 

Todesmarsch von Talina Eder

Ihre Füße auf hartem Boden,
Sie schmerzen so sehr,
Wir laufen immer weiter,
Sie kann nicht mehr.

Der Weg, er scheint kein End zunehmen,
Die Dunkelheit umklammert mich,
Auch sie wird sich nach einer Pause sehnen,
Ist das Mädchen in dieser Landschaft nur noch ein Strich.

Ihr Leib das zittert,
Sie hat kaum etwas an,
Ich seh nur Haut und Knochen,
Mehr ist an ihr nicht dran.

Unser Ziel, es lässt sich schon erahnen,
Ein paar Häuser vor dem hohen Zaun,
Noch immer hoff ich Gott hat mit uns Erbarmen,
Nach allem was passierte, glaub ich das aber kaum.

Doch vielleicht ist’s auch wie eine Erlösung,
Langsam von der Erde ziehen,
All die Qualen hinter sich zulassen,
Aus einer Welt der Rassen fliehen.

Ihre zarten Füße,
Sie tappen durch den weißen Schnee,
Die Kälte lässt ihre Glieder frieren,
Alles tut ihr weh.

Auch mich durchzieht ein eisger Schauer,
Dringt immer tiefer in meinen Körper ein,
Lässt meine Lippen Beben,
Versucht über mich Gänsehaut zu weben.

Mein Bauch er grummelt,
Zeigt mir damit meinen Hunger an,
Den ich schon seit einiger Zeit,
Anders nicht mehr spüren kann.

Näher, immer näher kommen wir dem Haus,
Sie läuft ganz dicht an meiner Seite,
Stützt sich sanft auf meiner Schulter auf.

 

Die komplette Rede des Vorsitzenden der Gemeindevertretung Glienicke/Nordbahn Martin Beyer.

This entry was posted in Berichte, News and tagged , , . Bookmark the permalink.